Texte

Das künstlerische Schaffen

Andrea Denis - freischaffende Künstlerin, Malerpoetin und Naturbraucherin

Im Mittelpunkt ihres künstlerischen Schaffens steht – sichtbar und unsichtbar -  der Mensch, in all seinen Facetten und Beziehungen, im Kontext seines Lebensraums. Die Natur ist Andrea Denis eine bedeutsame Inspirationsquelle, insbesondere zum Wald hegt sie eine besondere Zuneigung. In ihren vielseitigen Arbeiten geht sie nicht nur den Bäumen „unter die Haut“. Ausgehend von der klassischen Vorstellung von der Natur entwickelt die Künstlerin ein eigenes Verständnis für „(Über-)Lebensräume, die nie losgelöst von ihren Bewohnern zu betrachten sind.

In ihren allegorischen Bildern und poetischen Werken ermöglicht Andrea Denis eine vieldeutige Annäherung an das Schützenswerte und die unsichtbare Verbindung aller Lebewesen...und lädt ein zu einem Streifzug durch die menschliche „Natur“.

Das innere Empfinden, ureigenes Wissen und eine unabhängige, klare Haltung gegenüber Mensch und Umwelt formen ihre Werke. Im intermedialen und interdisziplinären Ansatz stellt sich die Künstlerin aktuellen Problemen und Lebensfragen und lässt sich auch auf unbequeme Fragen ein. Durch den inneren Drang, sich überraschen zu lassen, gibt es keinen eindeutigen Stil und auch kein bevorzugtes Medium in ihrem Schaffen, alles ist frei und im „kreativen Fluss“.
Ihre Werke erzählen Geschichten, die keine Antworten liefern möchten, jedoch zum Nachdenken und Empfinden auffordern, aber auch irritieren und irreführen wollen. So spielt die Künstlerin mit tiefgründigem Humor oder mit Märchenhaftem ebenso wie mit menschlichen Klischees oder existenzieller Beweggründe. Der eigentliche Sinn des synästhetischen Schaffens der Künstlerin jedoch lässt sich erst bei näherer Betrachtung erschließen. Die Künstlerin selbst bleibt dabei un(be-)greifbar…

ReliefART

In ihren aktuellen Arbeiten (zum Beispiel "Bäume und Rinden", im Projekt "Vor lauter Wald die Bäume …") überschreitet Andrea Denis den zweidimensionalen Raum der Leinwand und erhöht dort ihre Malerei mit plastischen Elementen. So findet das klassische Relief in der bildenden Kunst bei Andrea Denis eine neue Form der Interpretation und stellt damit die traditionelle Methode des Realismus in einen neuzeitlichen Kontext. Mit der Entwicklung ihres künstlerischen Konzepts „Relief ART“ erhebt sich in Andrea Denis´ Werken die Malerei aus der Fläche und überlagert in vielen Schichten das von Hand modellierte oder als Materialcollage geformte Relief. Mit dem Vermischen realer wie abstrakter Elemente und Abbildungen, mit dem Spiel von Licht und Schatten der in unzähligen Arbeitsschritten entstehenden unterschiedlichen Ebenen und Objekte, wird eine spannungsreiche Atmosphäre erzeugt. Beim Betrachter ruft dies vertrauliche Erinnerungen und Befremdung, Klarheit und Verwirrung zu gleichen Teilen hervor und ermöglicht so neue Sichtweisen und Perspektiven.

 

Lyrik & Kunst -

"Gefühlte Poesie"
Die Poesie von Andrea Denis´ bilddurchfluteter Sprache wirkt nicht nur in der Emotionalität und Mystik ihrer Bilder sondern auch in ihrer Buchkunst, in ihren Illustrationen und Bilderbüchern oder durch Ihre Kunstkarten. Hautnah ist diese tiefgehende Lyrik auch in ganz besonderen Lesungen, in Songs oder in spannenden, unvergesslichen Projekten. auch mit Künstlerkollegen,  zu erleben.

Lesungen, intermediale Projekte, Kunstbildbände, Gedichte ...
Die Werke von Andrea Denis sind teilweise nicht im Handel erhältlich und können nur über die Künstlerin bezogen werden.

Jeanette Dillinger über Andrea Denis

Andrea Denis - Künstlerin, Lyrikerin, Kreativpädagogin, Kunsttherapeutin, kritisch denkender und die Dinge hinterfragender Mensch- so vielfältig wie Andrea Denis selbst ist auch ihre Kunst. Von der Natur als Schwerpunkt Ihrer Betrachtungen ausgehend, hinterfragt sie mal humoristisch, mal kritisch und dem Betrachter den Spiegel vorhaltend, Ihre Umwelt und das Alltägliche, fühlt mit teilweise vordergründigem Humor ernsten Themen unseres Daseins auf den Zahn. Zentrum Ihrer Überlegungen ist der Mensch, der Mensch in all seinen facettenreichen Verflechtungen zu seinem Lebensumfeld und seinen Mitgeschöpfen: mal liebend, suchend, verweigernd, mal angstvoll, sogar zerstörerisch- das menschliche Wesen hat viele Gesichter. Und sein Handeln Folgen.

Vom Tenor her poetisch, mal mystisch anmutend und traumähnlich, nahezu visionär, spürt Andrea Denis existentiellen Fragen des Lebens, auch „Krankheiten“ unserer Zeit auf und lässt hierbei nicht nur Lebensräume, sondern auch Überlebensräume, Schutzzonen, entstehen, lässt Hoffnung und gibt Mut. In einzigartiger Weise schafft  Sie es, den Betrachter auf die Seele der dargestellten Geschöpfe blicken zu lassen. Vor ihm erstrecken sich dämmergrüne Wälder voll betörender Schönheit und Ruhe: mit Baumrinden, die man unter den Fingerspitzen zu fühlen und mit den Wäldern eigenem Duft, den man zu riechen glaubt- und in all diesem schwebt das Unausgesprochene, das sich dem Aufmerksamen zu erkennen gibt und ihn nachhaltig berührt.

 

Jeanette Dillinger, Kunsthistorikerin M.A.


Saarlouis, 2015

Kunsthistorikerin Eike Oertel-Mascioni über Andrea Denis

Andrea Denis hat in ihrer Malerei einen Mittelpunkt - den Menschen.
Sie arbeitet figurativ, liebt die Farben, arbeitet gelegentlich schwarz-weiß oder nur mit drei Farben. Mal ein kräftiges Rot oder tiefes Schwarz in Form und Linie bilden ausdrucksstarke Kontraste zum hellen Bildgrund. Mit der Farbe schafft die Künstlerin Räume, Landschaften, gegenständliche Gebilde, Bewegung, dynamische Energie und dramatisches Geschehen. Andrea Denis' Bilder haben nichts Endgültiges. Sie sind Momentaufnahmen einer menschlichen Haltung in einer ganz bestimmten Situation. In diesem lebendigen Innehalten bzw. bildhaften Fixieren des Momentes liegt ein großer Reiz ihrer Arbeiten. Die Malerei und Zeichnung von Andrea Denis zeigen auch ihre verschiedenen Interessen auf. Ihre Bilder beschäftigen sich hauptsächlich mit ihrem Leben als emotionale Antwort auf die Situation um sie herum. Die Künstlerin scheut sich nicht, gelegentlich auch Zerstörungen oder Irritationen des Weiblich-Schönen aufzuzeigen. Zum Kürzel reduzierte weibliche Akte mit ihren fast schon signalartigen Leitlinien und schlängelnden Elementen zeugen von ihrem entschlossenen Formempfinden. Mit der zunehmenden Größe der Bildformate erweitert sich der Bildraum zur Fläche, die den Betrachter nicht mehr einbezieht, sondern ihm einen Standpunkt außerhalb und jenseits des Bildes zuweist. Andrea Denis arbeitet sowohl gegenständlich, als auch gegenstandsfrei. Zentrales Thema ihrer Malerei und Zeichnung sind neben der Darstellung des Menschen Blumen-, Frucht- und GefäßstillIeben sowie Landschaften, Natur und Tiere, Phantasien, Träume und Gedanken verweben sich in ihrem Kopf, wirbeln und toben vor ihrem geistigen Auge, explodieren und zerfallen, um sich dann wieder zu neuen Bildern zusammenzusetzen. Dabei fühlt sich die Künstlerin zunächst als Betrachterin, bis sie sich mitten darin wiederfindet und von ihr gefangengehalten wird. Die Künstlerin sieht ihr Selbst in ihren Arbeiten widergespiegelt. Andrea Denis unterscheidet zwischen den vor der Natur entstandenen und den "inneren" Bildern. Seherfahrungen, Seherinnerungen und der schöpferische Impuls vermitteln zwischen beiden. Man trifft in ihrem Oeuvre auf sehr unterschiedliche Ausarbeitungen zu Themen wie Liebe, Freiheit oder Frieden, die sie mit viel Phantasie und Symbolik versieht. Andrea Denis' Bilder erzählen aber auch Geschichten vom Kreislauf des Lebens, vom Geborenwerden und Sterben, vom Verhältnis zwischen Mann und Frau, vom Lieben, Leiden, Glauben und Zweifeln. Manches versteht der Betrachter auf Anhieb, anderes bedarf des Nachdenkens bzw. einer gewissen Entschlüsselung. Die assoziativen Bildtitel helfen manchmal dem wenig phantasievollen Betrachter auf die Sprünge. Die Werke sind geprägt vom Kontrast aus Gegenständlichem und Abstrakten, ebenso vom Rhythmus der Linienführung, vom Wechsel der Helligkeiten und von der Mischung verschiedener Techniken. All dies macht die Bilder spannend. Man entdeckt mit jedem Hinsehen wieder neue Elemente. Graphisches schiebt sich mitunter ins malerische Bildgefüge. Wie sehr die Künstlerin das Zeichnerische anzieht, belegen viele ihrer Arbeiten. In den Tuschezeichnungen lassen sich infolge unterschiedlicher Federstärke die Wirkungsmöglichkeiten von Schwarz- und Grauwerten ausschöpfen, durch die sich dann die Vorstellung Räumlichkeit und Stofflichkeit in ihrer optischen Erscheinung herausschält. Der Tuschestrich übernimmt zudem konstruktive Aufgaben, als Binnenzeichnung, als Beschreibung von Texturen und als Veränderung der Oberflächenerscheinung.

 

In anderen Werken bringt die Farbe allein die Form hervor als eine drängende, aktive Gestalt beispielsweise in Rottönen von abgestufter Leuchtkraft oder als ein Zerfließen von Schwarz. Eine leuchtende, oft mit Blau-, Rot- oder Gelbtönen dominierende Farbigkeit spricht Auge und Gemüt ebenso an wie die nur scheinbar spontane Organisation des Farbmaterials. Es gelingt der Künstlerin feinste Farbnuancen herzustellen und gleichzeitig durch Strukturen im Farbauftrag die Oberfläche ihrer Bilder in Bewegung zu setzen und vibrieren zu lassen. Die Berührungen und Verzahnungen der farbigen Flächen steigern den Rhythmus und verdichten die Bewegung der Bilder. Vom Werk her betrachtet, ist in den letzten Jahren eine Konzentration, eine Verdichtung erfolgt: So hat Andrea Denis z.B. Zeichnungen gemacht, die auf Erscheinungen der Natur hinweisen, in Form von Linien, die das Wesen darstellen und nicht den Gegenstand abbilden; nicht um die Realität wiederzugeben, sondern um sie spontan in Linie, in Bewegung und in Form umzusetzen. Aus dieser, Vorgehensweise heraus sind einige der jüngeren Bilder entstanden.

 

Andrea Denis versucht in ihren Arbeiten dem Wesen der Dinge auf die Spur zu kommen und dieses mit gestalterischen Mitteln zum Ausdruck zu bringen. Ihre Werke fordern vom Betrachter die Bereitschaft, sich auf ein unmittelbar sinnliches Erfahren einzulassen, das über ein rationales, oberflächliches Wiedererkennen von Vertrautem hinausgeht. Im Werk von Andrea Denis geht es um Verwandlung des Gesehenen und Erlebten, des Vorgefundenen und Phantasierten in eine Farbe, Form Struktur, in ein Bild, in Malerei oder Zeichnung. Die Bilder bleiben an optisch sichtbare Vorgaben gebunden. Gerade deshalb werden sie immer erweitert, variiert, phantastisch überlagert, verfremdet, um sich dem Verborgenen anzunähern. Farbe und Linie sind dabei die wichtigsten Ausdrucksmittel.

 

Andrea Denis stilistisch einzuordnen, fällt schwer. In der Beschränkung der Themenkreise auf figürliche Darstellung, Landschaften und Stillleben zeigt sich, dass die Künstlerin nicht nach aktuellen Tendenzen strebt, sondern in der Durcharbeitung formaler Probleme ihre Aufgabe sieht. Davon geben viele ihrer Werke Zeugnis ab. Es ist für Andrea Denis ein Stilmittel, den Betrachter zu eigener Interpretation, zu eigenen Träumen und Empfindungen anzuregen. Der Betrachter soll sich in das Bild mit einbeziehen, sich darin bewegen, suchen, kombinieren und entdecken wozu ich Sie hiermit herzlich einlade!


Eike Oertel-Mascioni (Kunsthistorikerin), 1996